VERPACKEN-AKTUELL

Informationen aus der Verpackungsbranche

Bei der Kennzeichnung scheiden sich die Geister

Mengen- und Nährwertangaben

27. Mai 2010, von Annette von der Heide

Lange Tabellen überfordern manchen Verbraucher. Über mangelnde Information kann er sich aber nicht beklagen.

Quelle: Ausgezeichnet informiert

Ob Mogelpackung oder Nährwertangaben - die Kennzeichnungen auf Verpackungen stehen immer in der Kritik. Unterschiedliche Studien kommen auch zu unterschiedlichen Ergebnissen, je nach Auftraggeber. Dem Verbraucher bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als sich zu informieren, seine Augen beim Einkauf offen zu halten und die Kennzeichnungen zur Kenntnis zu nehmen. Dann gibt es eigentlich keinen Grund, sich bei der Verbraucherzentrale zu beschweren. Trotzdem fühlen sich offenbar viele Verbraucher durch neue Packungsgrößen getäuscht.

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnte vor kurzem vor versteckten Preiserhöhungen durch die Freigabe der Verpackungsgrößen durch die EU im April 2009. Allerdings ist auch vorgeschrieben, den Grundpreis für eine bestimmte Menge, etwa 100 Gramm oder einen Liter, am Regal zum Preisvergleich anzugeben. Das macht natürlich Mühe und erfordert zumindest die Beherrschung der Grundrechenarten. Manchmal ist es auch sehr mühsam, wenn z. B. wie vor Ostern bei einem großen Discounter eine beliebte Sorte Kirschpralinen in verschieden großen Geschenkverpackungen zu unterschiedlichen Preisen auf verschiedenen Displays und Orten im Laden platziert und nicht vergleichbare Bezugsgrößen – mal 100 g, dann Stückzahlen - angegeben waren. Aber es ist schon ungewöhnlich, wenn man verschiedene Packungen ein und desselben Produktes vergleichen muss.

Harter Preiskampf

Dass die Preise gestiegen sind, kann man den Herstellern jedenfalls nicht vorwerfen.

Neue Form für kleine Portionen: Was drin ist, steht drauf.

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Nicht immer wurden einfach die Füllmengen verringert. Meistens wurde ein kompletter Verpackungsrelaunch vorgenommen. Hier kann nicht einfach von "Mogelpackungen" gesprochen werden. Schließlich ist das Füllgewicht oder die -menge aufgedruckt. Die Verbraucherzentrale bemängelt, dass viele Hersteller ”klammheimlich“ die Füllmengen verringert bzw. neue Verpackungsgrößen auf den Markt gebracht hätten. Was ist daran heimlich, wenn die neue Packung im Supermarktregal steht?

Auch die Stiftung Warentest hat beobachtet, dass immer mehr Hersteller ihre Packungen schrumpfen. Der Grund ist ihrer Einschätzung nach aber nicht die Gesetzesänderung, sondern, dass der Preiskampf immer härter wird. In den vergangenen Jahren wurden die Verpackungsgrößen für noch mehr Produkte liberalisiert. Seit April 2009 sind auch die Füllmengen für Milch, Wasser, Limonade, Fruchtsaft, Zucker und Schokolade freigegeben. Die Verbraucherzentrale Hamburg listet auf ihrer Homepage Produkte auf, deren Füllmenge verringert wurde - bei gleich bleibendem Preis. Allein bei Grundnahrungsmitteln wie Zucker, Mehl oder Milch hätten sich Hersteller bisher nicht getraut, die Nennfüllmengen zu verringern. Der Grund sei, dass den Käufern die Standardmaße bestens vertraut seien.

Ist Luft im Beutel zulässig?

Kekstüten, die zu einem Drittel mit Luft gefüllt sind, sind nicht ungesetzlich. Oft liegt es auch am Abfüllprozess bei Schüttgütern wie Keksen oder Chips. Bei den Preisen für veredelte Folien oder Barrierefolien hat kein Abfüller ein Interesse daran, zuviel Folie zu verbrauchen. Außerdem gibt es auch noch die Eichbehörde.

Stellt das Eichamt tatsächlich fest, dass zu viel Luft in der Packung ist, kann es den Hersteller auffordern, die Packung zu verändern.

Bei Wein, Sekt und Spirituosen können sich die Kunden auf ihre gewohnten Flaschengrößen verlassen. Hier sind die Nennfüllmengen weiter gesetzlich vorgeschrieben.

Nährwertkompass oder Ampel?

Neben der Mengenauszeichnung ist auch der GDA-Nährwertkompass oft in der Kritik. Vier Jahre nach seiner europaweiten Einführung ist der GDA-Nährwertkompass auf Lebensmittelverpackungen nicht mehr wegzudenken. In Europa ist der GDA-Nährwertkompass die führende Nährwertkennzeichnung. Er informiert den Verbraucher sowohl über die Kalorien und Inhaltsstoffe eines Produktes als auch darüber, wie viel Prozent seines täglichen Bedarfs mit einer Portion abgedeckt sind. Berechnungsgrundlage ist der so genannte "Guideline Daily Amount" (GDA), der "Richtwert für die Tageszufuhr".

Die GDA-Kennzeichnung hat sich als Nährwertkompass weitgehend durchgesetzt.

Quelle: Ausgezeichnet informiert

Vor allem Frauen nutzen die Kalorien- und Nährwertangaben auf den Packungen. Laut einer aktuellen Umfrage von TNS Infratest, die im Auftrag der Initiative "Ausgezeichnet informiert" im Frühjahr 2010 durchgeführt wurde, wünschen sich 95 Prozent eine Nährwertkennzeichnung mit Informationen über die Inhalte pro 100g/100ml und/oder pro Portion. Die meisten von ihnen haben keine Lust auf langes Rechnen, sie bevorzugen Klartext: Bei verpackten Lebensmitteln wie Schokoriegeln oder Joghurt wollen vier von fünf Frauen (79 Prozent) die Kalorien- und Nährwertangaben auf einen Blick für die gesamte Portion ablesen.

Insgesamt hat sich das Informationsangebot in Bezug auf den Nährwert von Nahrungsmitteln in den vergangenen Jahren deutlich erweitert: Wie eine GfK-Untersuchung zeigt, die der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL) Ende April 2010 vorlegte, tragen bereits mehr als 80 Prozent der verpackten Lebensmitteln eine Nährwertkennzeichnung. Die Verwendung des GDA-Kompasses hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verzehnfacht. Bezieht man die Handelsmarken in die Betrachtung mit ein, so tragen 54 Prozent aller Artikel mit Nährwertkennzeichnung auch den "Guideline Daily Amount" (GDA).

Leichter zu verstehen

Die Ampel gibt eine schnelle Übersicht über die wichtigsten Nährwerte.

Quelle: foodwatch

Eine Studie der FH Münster belegt dagegen, dass Verbraucher die Nährwert-Ampel deutlich besser verstehen als den Nährwertkompass. Die Studie "Akzeptanz und Nutzung von Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln durch Konsumenten", die das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" publik gemacht hatte, belegt Vorteile der Ampel gegenüber dem GDA-System sowohl in der Akzeptanz beim Verbraucher als auch bei der Verständlichkeit.

Es zeige sich, ”dass die GDA-NWK bei einem direkten Produktvergleich für viele Befragte zu Verständnis- und Irritationsproblemen führt“, heißt es in der Untersuchung. Über die Ampelkennzeichnung schreibt der Autor, Prof. Dr. Holger Buxel vom Fachbereich Ökotrophologie der Fachhochschule Münster: ”Hier zeigt sich, dass die Ampel im Vergleich zur GDA-NWK sowohl zu einer besseren/korrekteren Einschätzung des Zucker-/Kalorien-Gehalts als auch zu korrekteren Ergebnissen bei Produktvergleichen führt.“

In diesem Fall wäre die Ampel informativer als die aufgedruckte GDA-Angabe.

Quelle: foodwatch

Zuvor hatten unter anderem Studien der britischen Lebensmittelbehörde FSA, der Gesellschaft für Konsumforschung GfK (für foodwatch) oder des Marktforschungsinstituts Concept M belegt, dass die Ampelkennzeichnung funktioniert. foodwatch forderte die Europaparlamentarier auf, am 18. Mai für die Ampelkennzeichnung zu stimmen: "Die Verbraucher wollen die Ampel, praktisch der gesamte Gesundheitssektor will die Ampel, die Wissenschaft spricht für die Ampel - davon sollten sich die Abgeordneten leiten lassen.“

Das EU-Parlament hat sich grundsätzlich für Nährwertkennzeichnungen auf den Packungen ausgesprochen. Allerdings wird nicht europaweit vorgeschrieben in welcher Form das zu geschehen hat. Die Ampel bleibt also den Herstellern vorbehalten, die ihre Produkte besonders verbraucherfreundlich kennzeichnen wollen. Zuckerbomben werden sicherlich weiterhin ohne Ampel auskommen.

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